Fashonistas bekommen leuchtende Augen, wenn sie den Begriff „Shopping Village Palmanova“ hören. Das norditalienische Städtchen Palmanova ist längst zu einem Synonym für Outlet-Mode geworden. Ich war auch da und habe mir das Shopping Village Palmanova mal angeschaut – hier meine Erfahrungen und Eindrücke.

Meine modebegeisterterten Freundinnen aus Kroatien verdrehen immer die Augen, wenn ich ihnen erzähle, dass ich es bislang noch nie in Palmanova shoppen war. Ganz im Osten von Italien, bei Udine, liegt dieses italienische Outlet-Zentrum. Bis ins slowenische Nova Gorica sind es nur wenige Kilometer, nach Triest ebenfalls. Ausgefallene Handtaschen von Guess oder Moschino, klassische Hilfiger-Shirts oder preisgünstige Bata-Schuhe: In Palmanova gibt es Mode, Küchenutensilien, Koffer und Co. – und das teilweise recht preiswert. Vor allem, wenn Schlussverkauf oder neudeutsch „Sales“ ist. Dann werden die Preise bis zu 70 Prozent gesenkt, verspricht ein Flyer.

Kostenloser Shuttle-Bus von Lignano nach Palmanova

Ins Shopping Village Palmanova habe ich es nun endlich mal geschafft, da wir im italienischen Badeort Lignano-Sabbiadoro waren – gut 50 Kilometer südwestlich. Am Eingang zu „unserem“ Strandabschnitt, an der Rezeption, im Supermarkt – überall lagen Flyer herum, die mir großzügige Prozente beim Shopping in Palmanova versprachen. Und dazu noch einen kostenlosen Shuttle-Transfer, jeden Donnerstag um 15.35 Uhr hin und gegen 18.30 Uhr aus Palmanova zurück verkehrte. Ich konnte also nicht anders, als mir das Outlert in Palmanova einmal anzuschauen 😉

Das Beste daran: Der Bus stoppt beim Camping Sabbiadoro, also direkt gegenüber von unserer Ferienanlage. Ein moderner Omnibus, mit prima Klimaanlage sammelt uns ein und hält 45 Minuten später vor dem Shopping Village Palmanova. „Um halb sieben geht es zurück, aber seien sie lieber fünf Minuten früher da“, mahnt der nette Fahrer auf Italienisch und Englisch.

Tesla Ladestation Palmanova

Mehr als ein halbes Dutzend Autos der Marke Tesla können hier Strom tanken – während ihre Besitzer in Ruhe shoppen (Foto: Veronika Wengert).

Es bleiben gut zwei Stunden. Einige russische Frauen, eine Ältere sogar mit Einkaufstrolley, zwei Asiatinnen, einige italienerinnen – die Busgäste sind wirklich international – und vor allem weiblich. Vorbei an einer Ladestation für Tesla-Autos, an der zwei Tesla aus München und Ljubljana gerade Strom tanken, geht es an einem Kinderspielplatz vorbei zum Eingang des Shopping Village Palmanova. Bunt getünchte Fassaden mit Zinnendach und Türmchen, blitzeblank gefegte Spazierwege, alles sehr nett, sauber, modern. Ein Gefühl beschleicht mich: Ich habe das irgendwie alles schon mal gesehen, etwa im Shopping Center Ingolstadt.

Mit dem Tagespass spart Ihr nochmal zehn Prozent

Der Shopping-Schnelltrip beginnt bei Adidas und Reebok. Turnschuhe für den Junior, ein Paar goldene Sneakers aus Leder für mich – gemerkt, wird später gekauft. Thommy Hilfiger hat nette Standard-Ware, jedoch nichts für mich; Moschino hat unglaubliche Handtaschen und einen ausgefallenen Mantel, der im Outlet jedoch immer noch stolze 625 Euro kostet. Dafür sehe ich eine schicke Tasche, die „nur“ 165 Euro statt gut 600 Euro kostet. Hmm, zwar ein Schnäppchen – so dringend brauche ich sie jedoch nicht. Also eher ein „Nice to have“-Accessoir. Kleider in Größe 32 (Size Zero?) und 34 gibt es in allen Shops supergünstig, in den Standard-Größen leider nicht.

An der Info hole ich mir einen One-Day-Pass, den ich kostenlos bekomme. Ich muss dafür nur meinen Ausweis vorzeigen und meine E-Mail-Adresse angeben. Dafür gibt es zusätzlich noch zehn Prozent Rabatt auf alles, allerdings limitiert. Also wenn ich in einem Geschäft für einen Mindestwert von 50 oder 100 Euro einkaufe, bekomme ich – unabhängig davon, ob die Ware schon reduziert ist – noch mal zehn Prozent Rabatt. Wer in Slowenien, Kroatien oder Italien lebt, bekommt eine Jahreskarte.

Palmanova Outlet Village (Foto: Veronika Wengert).

Wir düsen im Sauseschritt durch, an einigen netten Cafés vorbei – doch Zeit für ein Aperol Sprizz bleibt nicht, der Bus fährt bald wieder. Im Lindt-Outlet gibt es feinste Espresso-Sahne-Kreationen, schön aufgetürmt und gefühlt 500 Kalorien.

Dann ist er da: Der ultimative Handtaschenladen, mit italienischen Marken – auch Valentino gibt es hier erschwinglich. Ich packe fünf Taschen ein, das gleiche Modell, nur in verschiedenen Farben. Der Preis: 8 bis 12 Euro, statt regulär 29 Euro – den Hersteller kenne ich nicht, schick sind sie trotzdem. Dann zügle mich kurz vor der Kasse und lege drei wieder zurück. Noch die beiden Schuhe von Reebok – der Nachwuchs darf noch einen halbe Stunde auf den Spielplatz und dann geht es auch schon wieder zurück. Gut ein Dutzend Passagiere, vielleicht auch 20, klettern wieder in den Bus – niemand ist ohne Tüte oder Tasche.

Zurück steuert der Busfahrer nicht die Autobahn an, auf der Stau ist, sondern nimmt die Umgehungsroute über die Dörfer – und ich sehe zum ersten Mal zweisprachige Ortsschilder auf Italienisch und Furlanisch oder Friulanisch, der rätoromanischen Minderheitensprache in Friaul-Julisch-Venetien. Wikipedia sagt mir, dass vier von zehn Ortsschildern in der Umgebung von Udine zweisprachig sind und dass diese Sprache gar 600.000 Sprecher hat. Ich freue mich über den Stau auf der Autobahn und die Fahrt durch die Dörfer. Gegen 19.30 Uhr stoppt der freundliche Busfahrer wieder in Lignano-Sabbiadoro, die Shopping-Queens (und wenigen Männer) klettern aus dem Bus und verschwinden mit ihren Tüten in alle Himmelsrichtungen.

Lohnt sich der Weg ins Shopping Village Palmanova?

Fazit: Ich habe für schlappe 70 Euro zwei Paar Reebok-Turnschuhe und zwei ausgefallene Handtaschen einer italienischen Modemarke – die ich nicht kannte – gekauft und dabei 110 Euro gespart. Die ganz großen Shopping-Erlebnisse, wie etwa im Boss-Outlet in Metzingen, hatte ich hier nicht – und ob ich ein zweites Mal herkommen würde, weiß ich auch nicht. Für mich (und die Kids) war es auf alle Fälle ein netter und sehr bequemer Ausflug (ohne Auto, ohne Fahrtkosten), allerdings ist das Palmanova Shopping Village nun nicht unbedingt die Anreise aus Deutschland wert. Wenn Ihr aber ohnehin in der Nähe seid, dann lohnt sich Palmanova zum Shoppen, Tesla aufladen oder einfach nur zum Kaffee trinken mit Spielplatz (Klettergerüst!) auf alle Fälle. Probiert es einfach aus, erwartet nicht zu viel und habt Spaß beim Shoppen!

Author

Veronika Wengert ist freiberufliche Journalistin, Reisebuchautorin und Übersetzerin für mehrere slawische Sprachen. Ihre kroatischen Wurzeln haben sie insgesamt elf Jahre nach Moskau und Zagreb geführt. Sie ist immer noch regelmäßig in Kroatien, Slowenien und anderswo vor Ort - um dort zu recherchieren, wo andere gerne Urlaub machen.

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