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Lignano Sabbiadoro gehört zu den Lieblings-Badeorten der Deutschen und Österreicher. Im Nordosten Italiens, an der Adria gelegen, ist es nicht nur schnell mit dem Auto erreichbar, sondern bietet vor allem einen wunderbaren Sandstrand. Doch lohnt sich der Urlaub in Lignano Sabbiadoro wirklich? Und für wen?

Ich liebe Sandstrände! Feiner, weißer Sand, der zwischen den Zehen zerrinnt und mindestens bis zur übernächsten Wäsche noch fest in der Kleidung klebt. Thailand, Malaysia, Indonesien – dort gibt es für mich ideale Badestrände. Sand, Meer und Sonne, das gehört für mich unbedingt zum Sommer. Klar, das kann ich auch auf Sylt oder in Timmendorfer Strand haben, aber möglichst warm sollte das Badewasser auch sein.

Lignano Sabbiadoro Leuchtturm
Morgens ist der Strand in Lignano Sabbiadoro beim Leuchtturm fast noch menschenleer (Foto: Sebastian Schneider).

Kroatien steht – nicht nur beruflich, da ich Kroatien-Reiseführer schreibe – seit Jahren auf meiner Top-Reiseliste. Doch mit zwei kleinen Kindern sind mir allmählich die guten Sandstrand-Ziele in Kroatien ausgegangen, etwa bei Medulin oder in Lopar auf der Insel Rab. Kroatien hat viele schöne Strände: Betoniert, mit Felsen, mit Betonplatten und praktischen Einstiegsleitern. Aber nur wenige richtig gute Sandstrände, wie ich sie liebe. Also habe ich eine Kita-Mama um Rat gefragt. „Fahr nach Bibione, das ist toll, mit viel Sand“, so ihr Rat. Ich habe meine Recherche ausgeweitet. „Bibione, unbedingt!“, so der Rat einiger Kleinkind-Mütter. „Die Augsburger lieben Bibione!“

Touristenzug Lignano
Ein Touristenzug kommt bei Kindern immer gut an: Hier in Lignano Sabbiadoro (Foto: Veronika Wengert).

Bibione oder doch woanders hin?

Mein Lieblings-Buchungsportal verwies mich – recht kurzfristig – statt auf das im August komplett ausgebuchte Bibione auf Lignano Sabbiadoro, nur acht Kilometer entfernt. Ich muss zugeben, dass beides bislang überhaupt nicht auf meinem Urlaubs-Radar stand. Das Orakel Google stimmte mich um: Ein langer weißer Sandstrand mit 18 Reihen Sonnenstühle, feiner weißer Sand, viele Pizzerien, Eisdielen, Cafés, Freizeit- und Aquaparks für die Kinder. Das klang gut.

Also sind wir im Vorjahr erstmals in eine Apartment- und Bungalowanlage in Lignano Sabbiadoro gefahren. Zwei Zimmer mit Küche, Bad und einem kleinen Garten, direkt davor ein Spielplatz für Kinder. Jeden Morgen Frühgymnastik vor dem Apartment, zwei Pools mit Animation – Aquagymnastik und Aquacyling für die Mama – das war der Tagesablauf. Nachmittags ging es dann zum nur 300 Meter entfernten Sandstrand, mit Luftmatratze, Schwimmring, Schaufel und Eimer. Und ja, in diesem Jahr waren wir erneut da. Weil es den Kids hier so gut gefallen hat.

Leuchtturm in Lignano Sabbiadoro (Foto: Veronika Wengert).

Doch was mochten die Kids in Lignano besodners? In der Ferienanlage gab es jeden Abend Programm. Mal waren zwei Sängerinnen da (mit herrlichen Retro-Songs), mal ein Zauberer, der eine Taube in einen Hasen verwandelte (unsere Vierjährige hat mir das ganze Jahr davon erzählt!), mal gab es einen Bauchtanz-Abend mit Minnie Maus in Lebensgröße. Ach ja, die „Baby-Disco“ beginnt in Italien übrigens erst um 21 Uhr.

Was kann man in Lignano Sabbiadoro machen?

Urlaub! Den schönsten Sommerurlaub mit kleinen Kindern! So ein toller Strand, an dem kleine Muscheln herangespült werden – der zudem nur wenige Autostunden von Kärnten entfernt ist, das ist das Herz von Lignano Sabbiadoro. Tagsüber Strand, abends Pizza essen, dann ein wenig Bummeln und ab zu einer Eisdiele – so wie es in den 1970er Jahren schon war, als die Deutschen die italienische Adria für sich entdeckten. Große Betonplatten pflastern den Gehweg, gesichtslose Hochhaus-Hotels und Apartment-Anlagen säumen die Küste- klar gibt es weitaus romantischere Orte am Meer, keine Frage. Aber nirgendwo haben die Kids mehr Spaß.

Doch was macht man in Lignano Sabbiadoro außer am Strand liegen? Spielen und Spaß haben! Da gibt es den Parco Junior (Viale Centrale), einen Freizeitpark, der eher an eine Kirmes erinnert: Kleine Elektro-Jeeps, Kanus, auf Wasser schwimmende lila Plastik-Schwäne zum Hineinsetzen, ein Mini-Hochseilgarten – der Eintritt in den Park ist frei, die Fahrattraktionen kosten jeweils ein bis zwei Jetons (je nach gekaufter Jeton-Menge 2 bis 2,50 Euro pro Fahrt). Eine Show mit Clown und Assistentin gibt es netterweise kostenlos und am Ausgang Zuckerwatte für die Kleinen. Wer es günstiger mag: Eine Tageskarte kostet 29 Euro, mit einem Gutscheinheft des regionalen Tourismusverbands (gibt es in den Hotels) bekommt man 5 Euro Rabatt.

Parco Junior Eingang
Kostenloser Eintritt und viel Spaß für die Kids: Der Parco Junior in Lignano Sabbiadoro (Foto: Veronika Wengert).

Wer mehr Action möchte, sollte einen Abstecher in den Luna Park (Viale Europa) machen, mit Achterbahn und Co. Sehr beliebt ist der Freizeitpark Gulliverlandia (tgl. 10-18 Uhr). Dann gibt es einen Hochseilgarten (Parco Avventura Unicef), einen Zoo (Parco Zoo Punta Verde), dann einen Aquapark „Aquasplash“ mit vielen Rutschen. Im Parco del Mare findet Ihr auch einen Hüpfburgenpark am Abend (17-23 Uhr im Sommer). Und bereits von weitem seht Ihr am Strand Luftrutschen (Strandbüro 6, Strandbüro 10-11), wo die Kleinen – gegen Gebühr – herrlich rutschen können.

Einen echten Leuchtturm gibt es auch

Lignano Sabbiadoro hat aber noch mehr zu bieten: Eine lange Fußgängerzone für den Bummel am Abend, die irgendwann in einen winzigen Leuchtturm auf der Landspitze mündet. Ein schmaler Steg führt dorthin, ein wunderbarer Platz für Selfies, mit Hundestrand nebenan. Dann gibt es einen kleinen alten Hafen mit Motorbooten, wo auch Ausflugsboote in die Lagune starten.

Leuchtturm Lignano
Ein Steg führt zum winzigen Leuchtturm an der Landzunge von Lignano Sabbiadoro (Foto: Veronika Wengert).

Liegen, Sonnenstuhl und Kabine kosten Geld, das ist klar. Doch es gibt noch viele Aktivitäten, bei denen Ihr sparen könnt. Entlang der Strandabstände (z.B. Strand 18) gibt es Kinderspielplätze auf feinem Sand, die auch noch abends um 22 Uhr sehr gut besucht sind. Im Ortskern gibt es einen großen Spielplatz mit Kunstrasen, vielen Bänken und zweistöckigem Nostalgiekarussel (2 Euro pro Fahrt) – der das Budget schont.

Für jeden etwas: Wassersport in Lignano Sabbiadoro

Wassersport geht natürlich auch: Kanu, Kite- und Windsurfen, SUP (Stand Up Paddling, teilweise schon ab 5 Jahre), Parasailing, Schwimmkurse, Tenniskurse – alles ist möglich und kurzfristig vor Ort buchbar. Eine Einzelstunde Schwimmkurs kostet beispielsweise 20 Euro, für fünf Stunden zahlt Ihr etwa 90 Euro, je nach Anbieter. Wer auf Banana- oder Discoboat steht, also auf Funsport im Wasser, wird hier ebenfalls fündig. Tretboote, teils mit toller Rutsche (13-15 Euro/Stunde) gibt es überall entlang des Strands.

Und natürlich gibt es in Lignano Sabbiadoro Ausflugsboote, etwa ein Piratenboot (jeden Dienstag) oder Fahrten auf die Muschelinsel oder Bootstouren mit Zwischenstopp in Aquilea.

Hafen Lignano
Der alte Hafen von Lignano Sabbiadoro (Foto: Veronika Wengert).

Bei Regenwetter ideal ist natürlich ein Shopping-Trip, etwa ins Shopping Village Palmanova (45 Fahrtminuten mit dem Auto, in Richtung Udine). Wer Städtetrips mag, hat es nach Udine, Triest oder Venedig nicht weit. Doch auch Lignano Sabbiadoro selbst hat eine lange Fußgängerzone mit vielen Souvenirshops, aber auch einigen Boutiquen mit italienischer Mode (erschwinglich!), die einen Besuch lohnen (Mittagspause!).

Fazit: Wer einfach nur Sonne, Strand und Baden möchte, wird sich hier wohl fühlen! Lignano Sabbiadoro ist ein perfektes Urlaubsziel für Familien mit jüngeren Kindern, da der kilometerlange Sandstrand herrlich flach abfällt. Zudem ist es von Österreich, der Schweiz und aus Süddeutschland einfach mit dem Auto erreichbar, Ihr könnt also auf eine Flugreise verzichten. Wer auf Animation, Freizeitparks, Fahrgeräte, Rutschen und Co. steht, wird hier einen schönen Urlaub verbringen. Wie überall in Italien gibt man sich kinderfreundlich, überall gibt es Kinderstühle, ein freundliches Lächeln und niemand sagt etwas, wenn man um 23 Uhr noch mit den Kleinen durch die Stadt bummelt (Buggy oder Bollerwagen nicht vergessen!). Gönnt Euch ein italienisches Eis (Kugel bis zu 1,50 Euro!), ebenso gibt es in Lignano Sabbiadoro unzählige Pizzerien – und mit Eis und Pizza liegt man in Italien ja nie verkehrt. Partygänger sollten sich eher ein anderes Urlaubsziel aussuchen – die Stadt ist (zumindest im Hochsommer) in Familienhand. Weiterempfehlung? Ein klares JA.

Fashonistas bekommen leuchtende Augen, wenn sie den Begriff „Shopping Village Palmanova“ hören. Das norditalienische Städtchen Palmanova ist längst zu einem Synonym für Outlet-Mode geworden. Ich war auch da und habe mir das Shopping Village Palmanova mal angeschaut – hier meine Erfahrungen und Eindrücke.

Meine modebegeisterterten Freundinnen aus Kroatien verdrehen immer die Augen, wenn ich ihnen erzähle, dass ich es bislang noch nie in Palmanova shoppen war. Ganz im Osten von Italien, bei Udine, liegt dieses italienische Outlet-Zentrum. Bis ins slowenische Nova Gorica sind es nur wenige Kilometer, nach Triest ebenfalls. Ausgefallene Handtaschen von Guess oder Moschino, klassische Hilfiger-Shirts oder preisgünstige Bata-Schuhe: In Palmanova gibt es Mode, Küchenutensilien, Koffer und Co. – und das teilweise recht preiswert. Vor allem, wenn Schlussverkauf oder neudeutsch „Sales“ ist. Dann werden die Preise bis zu 70 Prozent gesenkt, verspricht ein Flyer.

Kostenloser Shuttle-Bus von Lignano nach Palmanova

Ins Shopping Village Palmanova habe ich es nun endlich mal geschafft, da wir im italienischen Badeort Lignano-Sabbiadoro waren – gut 50 Kilometer südwestlich. Am Eingang zu „unserem“ Strandabschnitt, an der Rezeption, im Supermarkt – überall lagen Flyer herum, die mir großzügige Prozente beim Shopping in Palmanova versprachen. Und dazu noch einen kostenlosen Shuttle-Transfer, jeden Donnerstag um 15.35 Uhr hin und gegen 18.30 Uhr aus Palmanova zurück verkehrte. Ich konnte also nicht anders, als mir das Outlert in Palmanova einmal anzuschauen 😉

Das Beste daran: Der Bus stoppt beim Camping Sabbiadoro, also direkt gegenüber von unserer Ferienanlage. Ein moderner Omnibus, mit prima Klimaanlage sammelt uns ein und hält 45 Minuten später vor dem Shopping Village Palmanova. „Um halb sieben geht es zurück, aber seien sie lieber fünf Minuten früher da“, mahnt der nette Fahrer auf Italienisch und Englisch.

Tesla Ladestation Palmanova

Mehr als ein halbes Dutzend Autos der Marke Tesla können hier Strom tanken – während ihre Besitzer in Ruhe shoppen (Foto: Veronika Wengert).

Es bleiben gut zwei Stunden. Einige russische Frauen, eine Ältere sogar mit Einkaufstrolley, zwei Asiatinnen, einige italienerinnen – die Busgäste sind wirklich international – und vor allem weiblich. Vorbei an einer Ladestation für Tesla-Autos, an der zwei Tesla aus München und Ljubljana gerade Strom tanken, geht es an einem Kinderspielplatz vorbei zum Eingang des Shopping Village Palmanova. Bunt getünchte Fassaden mit Zinnendach und Türmchen, blitzeblank gefegte Spazierwege, alles sehr nett, sauber, modern. Ein Gefühl beschleicht mich: Ich habe das irgendwie alles schon mal gesehen, etwa im Shopping Center Ingolstadt.

Mit dem Tagespass spart Ihr nochmal zehn Prozent

Der Shopping-Schnelltrip beginnt bei Adidas und Reebok. Turnschuhe für den Junior, ein Paar goldene Sneakers aus Leder für mich – gemerkt, wird später gekauft. Thommy Hilfiger hat nette Standard-Ware, jedoch nichts für mich; Moschino hat unglaubliche Handtaschen und einen ausgefallenen Mantel, der im Outlet jedoch immer noch stolze 625 Euro kostet. Dafür sehe ich eine schicke Tasche, die „nur“ 165 Euro statt gut 600 Euro kostet. Hmm, zwar ein Schnäppchen – so dringend brauche ich sie jedoch nicht. Also eher ein „Nice to have“-Accessoir. Kleider in Größe 32 (Size Zero?) und 34 gibt es in allen Shops supergünstig, in den Standard-Größen leider nicht.

An der Info hole ich mir einen One-Day-Pass, den ich kostenlos bekomme. Ich muss dafür nur meinen Ausweis vorzeigen und meine E-Mail-Adresse angeben. Dafür gibt es zusätzlich noch zehn Prozent Rabatt auf alles, allerdings limitiert. Also wenn ich in einem Geschäft für einen Mindestwert von 50 oder 100 Euro einkaufe, bekomme ich – unabhängig davon, ob die Ware schon reduziert ist – noch mal zehn Prozent Rabatt. Wer in Slowenien, Kroatien oder Italien lebt, bekommt eine Jahreskarte.

Palmanova Outlet Village (Foto: Veronika Wengert).

Wir düsen im Sauseschritt durch, an einigen netten Cafés vorbei – doch Zeit für ein Aperol Sprizz bleibt nicht, der Bus fährt bald wieder. Im Lindt-Outlet gibt es feinste Espresso-Sahne-Kreationen, schön aufgetürmt und gefühlt 500 Kalorien.

Dann ist er da: Der ultimative Handtaschenladen, mit italienischen Marken – auch Valentino gibt es hier erschwinglich. Ich packe fünf Taschen ein, das gleiche Modell, nur in verschiedenen Farben. Der Preis: 8 bis 12 Euro, statt regulär 29 Euro – den Hersteller kenne ich nicht, schick sind sie trotzdem. Dann zügle mich kurz vor der Kasse und lege drei wieder zurück. Noch die beiden Schuhe von Reebok – der Nachwuchs darf noch einen halbe Stunde auf den Spielplatz und dann geht es auch schon wieder zurück. Gut ein Dutzend Passagiere, vielleicht auch 20, klettern wieder in den Bus – niemand ist ohne Tüte oder Tasche.

Zurück steuert der Busfahrer nicht die Autobahn an, auf der Stau ist, sondern nimmt die Umgehungsroute über die Dörfer – und ich sehe zum ersten Mal zweisprachige Ortsschilder auf Italienisch und Furlanisch oder Friulanisch, der rätoromanischen Minderheitensprache in Friaul-Julisch-Venetien. Wikipedia sagt mir, dass vier von zehn Ortsschildern in der Umgebung von Udine zweisprachig sind und dass diese Sprache gar 600.000 Sprecher hat. Ich freue mich über den Stau auf der Autobahn und die Fahrt durch die Dörfer. Gegen 19.30 Uhr stoppt der freundliche Busfahrer wieder in Lignano-Sabbiadoro, die Shopping-Queens (und wenigen Männer) klettern aus dem Bus und verschwinden mit ihren Tüten in alle Himmelsrichtungen.

Lohnt sich der Weg ins Shopping Village Palmanova?

Fazit: Ich habe für schlappe 70 Euro zwei Paar Reebok-Turnschuhe und zwei ausgefallene Handtaschen einer italienischen Modemarke – die ich nicht kannte – gekauft und dabei 110 Euro gespart. Die ganz großen Shopping-Erlebnisse, wie etwa im Boss-Outlet in Metzingen, hatte ich hier nicht – und ob ich ein zweites Mal herkommen würde, weiß ich auch nicht. Für mich (und die Kids) war es auf alle Fälle ein netter und sehr bequemer Ausflug (ohne Auto, ohne Fahrtkosten), allerdings ist das Palmanova Shopping Village nun nicht unbedingt die Anreise aus Deutschland wert. Wenn Ihr aber ohnehin in der Nähe seid, dann lohnt sich Palmanova zum Shoppen, Tesla aufladen oder einfach nur zum Kaffee trinken mit Spielplatz (Klettergerüst!) auf alle Fälle. Probiert es einfach aus, erwartet nicht zu viel und habt Spaß beim Shoppen!

Mit dem Meer hatte ich in meiner Kindheit ungefähr so viel zu tun, wie ein Wüstenkamel mit dem Permafrostboden. Ich bin im Südwesten von Deutschland aufgewachsen, irgendwo zwischen Rhein und Schwarzwaldtannen. Die Nordsee war genauso weit weg wie die Adria. Die wunderbar engagierte Tanja Praske, die die Blogparade „Europa und das Meer „ begleitet, hat mich allerdings angeregt, meine persönliche Beziehung zum Meer in Worte zu packen. Mehr als 100 Blogger haben bei der Blogparade mitgemacht, die einzelnen Beiträge findet Ihr unter #DHMMeer. Oder Ihr fahrt gleich nach Berlin. Die Ausstellung „Europa und das Meer“ ist noch bis Anfang 2019 zu sehen.

Das Meer füllt mein Bankkonto

In meiner Kindheit war mir das Meer fern. Seit einigen Jahren lässt mich das Meer jedoch nicht mehr los: Es fasziniert mich, lässt mich schwelgen, träumen – und füllt sogar mein Bankkonto. Das klingt seltsam? Mag sein. Aber ich verdiene mein Geld damit, andere Menschen für das Meer zu begeistern. Ich schreibe und aktualisiere nämlich Reiseführer. Meist über Kroatien (1244 Inseln, von denen mir einige Inselchen, Riffe und Eilande noch fehlen!), aber auch über Slowenien (46,6 Kilometer Küstenlänge!) und Russland (Black & White: Weißes Meer und Schwarzes Meer!).

Meer bei Opatija
Das kroatische Meer hat es mir besonders angetan, auch wenn das Ufer in Beton gegossen ist (Foto: Veronika Wengert).

Das Meer hat viele Farben

Konkret bedeutet das, dass das Meer seit einigen Jahren für mich nicht einfach nur blau ist, sondern viele Farbnuancen hat: Türkisblau schimmert das Wasser in der Blauen Grotte auf der dalmatinischen Insel Biševo, in der sich das Sonnenlicht an der Wasseroberfläche bricht – und die Höhle in einen unwirklichen Blauton taucht. Kristallklar ist das Meer in Kroatien fast überall, wo Sonnenanbeter ihr Handtuch auf großen Felsblöcken ausbreiten und kleine Krebse zwischen Steinritzen verschwinden. Also dort, wo es keinen Sandboden gibt, der das Wasser trübt. Und smaragdgrün? Eher im Hinterland, der slowenische Fluss Soča oder die Plitwitzer Seen mit ihren Sinterterrassen – sie schimmern vielerorts in einem faszinierenden Grünton. Also in jenem vielzitierten Smaragdgrün (Ja, echt! Keine Reiseführer-Phrase! Fahrt hin, schaut es Euch an!).

Auf einigen Inseln gibt es auch Sandstrände.
Ab auf die Insel – Kroatien hat mehr als 1000 zu bieten (Foto: Veronika Wengert).

Mein russisches Meer

Meinen ersten Reiseführer habe ich aktualisiert, als ich mehrere Jahre in Moskau gearbeitet habe. Klar, darin ging es um Russland. Etwa um die „Badewanne der Russen“, also Sotschi am Schwarzen Meer, mit seinem schroffen Hinterland, das wohlbetuchte Gäste zum Heli-Skiing am Nachmittag lockte. Also morgens Baden und nachmittags Skifahren mit Helikopter-Sprung auf einen schneebedeckten Gipfel…

Ich bin auch ans Meer bei Kaliningrad gefahren, dem alten Königsberg, das große Mengen Bernstein birgt. Im klapprigen Lada eines Bekannten war es nur ein Katzensprung bis zum früheren Seebad Cranz und der Kurischen Nehrung mit ihrer unglaublich feinsandigen Dünenlandschaft, die ich heute noch vor mir sehe.

Bei Sankt Petersburg schwappt das Meer fast bis in die Stadt hinein. Oder andersrum: Die Newa ergießt sich dort in die Ostsee, unzählige Brücken spannen sich über den Fluss. Und klar, da darf die Phrase „Venedig des Nordens“ nicht fehlen. Abgedroschen, doch irgendwie wahr. Und einfach nur schön. Am besten gefallen mir die großen Brücken in St. Petersburg nachts: Dann werden sie hochgekurbelt, damit die großen Schiffe die Newa bis zur Meer passieren können. Wer in Partylaune zu spät dran ist und es nicht mehr auf die andere Flussseite schafft, muss einige Stunden ausharren, um im Morgengrauen über die wieder heruntergelassene Brücke zu spazieren.

Dann gibt es noch mein „russisches Meer“ bei Uljanowsk, wo ich als Studentin mehrere Wochen ein Praktikum gemacht habe. So braungebrannt wie dort war ich selten wieder: Die späten Nachmittage, nach Feierabend, verbrachte ich am breiten Wolga-Strand: Vor mir dieser unendlich weite Fluss, dazu Dauerbeschallung mit russischer „Popsa“, Popmusik im Stampf-Takt, vom Kiosk herüber, an dem die jungen Russen ihr Baltika tranken und nach genügend Bier einfach lostanzten. Als ich aus Russland wiederkam, nahm mir niemand meine Wolga-Bräune ab. „Du warst doch in Russland und bist so knackig braun, hä?“.

Dann hat mich mein Job in Moskau auch ans Weiße Meer geführt, zu Djed Moros, dem russischen Väterchen Frost. Der lebt nämlich in Archangelsk. Nun ja, es ist einer von (mindestens!) drei Weihnachtsmännern, die es in Russland gibt. Mein Weihnachtsmann lebte in einem Holzhaus, mit weißem Wattebart und einem Hügel im Garten, auf dem Kinder rodeln konnten. Doch halt, was hat Djed Moros nun mit dem Meer zu tun? Nun ja, ich erinnere mich, dass ich an jenem Nachmittag noch am Meer spazieren gegangen bin. Es war aber nicht das Meer, es war die Nördliche Dwina, die hier in ein weites Flussdelta mündet – und fast wie ein Meer wirkt. Im Sommer ist diese Promenade ein wundervoller Flirt-Spot, im Winter fand ich es bei minus 20 Grad Celsius und Polarwind einfach nur kalt, kalt, kalt. Ah, und natürlich gefroren.

Dubrovnik von oben
Vom Meer umspült: Die Altstadt von Dubrovnik in Kroatien (Foto: Veronika Wengert).

Mein Zagreber Meer

Da mag ich doch lieber den Süden. Im Sommer ging es immer zur Verwandtschaft nach Kroatien, doch die lebt nicht am Meer, sondern in Zagreb. Später habe ich dort fast sieben Jahre verbracht. Die Bewohner der kroatischen Hauptstadt müssen nicht erst zwei Stunden mit dem Auto ans Meer fahren, sondern haben auch ihr „Zagreber Meer“, den Jarun. Das ist ein künstlicher See, der für die Universiade 1987 angelegt wurde. An warmen Tagen herrscht dort fast mediterranes Flair: Schon im Frühjahr, wenn die Sonnenbrillen nicht mehr von den Nasenflügeln wegzudenken sind, beginnt das „Meer-Feeling“ am Jarun. Wer einen Platz mit „Meerblick“ ergattert, kann sich glücklich schätzen: Perfekt, um den Sonntagnachmittag beim People watching zu verbringen, natürlich mit einer Kava, einem Espresso. Mediterranes Feeling in der Großstadt, das geht.

Piran in Slowenien
Piran ist ein wunderbares slowenisches Küstenstädtchen mit venezianisch geprägten Altstadtgassen (Foto: Veronika Wengert).

Mein slowenisches Meer

Die Kroaten spotten gerne über ihre slowenischen Nachbarn, die nur über einen 46,6 Kilometer langen Küstenstreifen verfügen. Aber was für einen! An diesem erstrecken sich mehrere wunderbare kleine Städtchen wie Koper, Piran oder Izola mit venezianischen Gassen. Dort wird Espresso mit Blick auf weiße Segelboote getrunken, die auf dem Wasser schaukeln. Piran ist das wohl schönste Städtchen von ihnen, mit bunten Fassaden und – bei klarem Wetter – mit Blick bis zu den Alpen! Ein Kurztrip ans slowenische Meer? Ok. Aber den kompletten Sommerurlaub dort verbringen? Wo Kroatien doch 1244 Inseln hat? Meine Begeisterung für Slowenien sorgt bei meinen kroatischen Freunden und Verwandten oftmals für Kopfschütteln. „Und warum kommen die Slowenen dann zu uns, wenn es dort so schön sein soll?“, fragte mich ein ehemaliger Nachbar in Zagreb. Hmm. Hinfahren, anschauen – und Dahinschmelzen, genau wie ich, war mein Rat. Ob er ihm jemals gefolgt ist, bezweifle ich allerdings.