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Kroatien

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Als ich noch ein Kind war, fuhren wir immer mit dem Nachtzug von München nach Zagreb. Dieser rauschte im Dunkeln durch die Alpen, mit quietschenden Rädern und langen Stopps in den Bahnhöfen. Mit strengen Blicken durchkämmten Zöllner und Grenzpolizisten die Abteile an der damals noch österreichisch-jugoslawischen Grenze und wollten wissen, ob wir Kaffee oder etwas anderes dabei hatten. Das war ziemlich aufregend, mitten in der Nacht geweckt zu werden.

Bis heute ist das Reisen im Nachtzug immer noch ein ganz besonderes Erlebnis für mich, dass ich mir leider zu selten gönne. Nun bin ich erneut mit dem Nachtzug nach Kroatien gefahren, diesmal allerdings nicht nach Zagreb, sondern direkt ans Meer – nach Rijeka.  Ach, dieses Ruckeln, das einen so schön in den Schlaf wiegt – oder auch nicht…

Mit dem Nachtzug nach Rijeka – ohne Umsteigen

Ich finde es faszinierend, wie man so problemlos ans Meer reisen kann: Ich brauche zu Fuß nur wenige Minuten zum Regionalbahnhof in Augsburg, bin 40 Minuten später in München, wechsle einfach nur das Gleis – und am nächsten Morgen wache ich am Meer in Kroatien auf. Welch Luxus! Prima ist auch die Uhrzeit, denn Ankunft ist erst gegen halb zehn Uhr morgens in Rijeka. Bei meiner letzten Recherchereise mit dem gleichen Zug bin ich schon morgens kurz vor 6 Uhr im schönen Ljubljana ausgestiegen, im Stockdunkeln stand ich dort am Bahnsteig. Gähn, nicht so ganz meine Uhrzeit…

Schlafwagen-Beschriftung auf Kroatisch
Vagon za spavanje heißt auf Kroatisch wörtlich „Waggon zum Schlafen“  (Foto: Veronika Wengert).

Im Nachtzug von München nach Rijeka gibt es kein stundenlanges Warten auf der Tauernautobahn, kein Stop-and-Go in endlosen Blechkolonnen, kein Warten am Gepäckband und kein Bangen, ob der Flieger überhaupt abhebt. Und es gibt kein Abwägen: Darf das ins Handgepäck oder muss das ins aufgegebene Gepäck? Apropos Koffer: Wenn dieser ein wenig größer ist, ist das auch kein Problem. Zumindest, solange sich nicht drei Riesenkoffer ein Abteil teilen – dann wird es knapp mit Stauraum.

Alleinreisende Frau? Im Nachtzug nach Rijeka kein Problem

Wie funktioniert das Reisen im Nachtzug nach Rijeka nun? Ich habe mir im Internet ein Bett in einem Damenabteil reserviert. Das bekomme ich automatisch vom System zugewiesen, da ich alleine als Frau unterwegs bin. Auf dem Ticket steht einfach „T3 Dame“. Ich habe jedoch nicht das ganze Abteil gebucht, sondern nur ein Bett in einem 3er-Abteil. Das bedeutet, dass theoretisch zwei weitere Frauen mitreisen könnten (aber eben keine Männer).

Für 99 EUR hin und 79 EUR zurück habe ich mir das Ticket auf bahn.de bestellt, also für insgesamt 178 EUR (ich habe eine Bahncard25). Von der Webseite der Deutschen Bahn wurde ich direkt weitergeleitet, denn die Nachtzüge werden seit einiger Zeit von den Österreichischen Bundesbahnen ÖBB betrieben – nachdem sich die Deutsche Bahn von diesem Zweig getrennt hat.

Das Ticket könnt Ihr Euch per E-Mail zusenden lassen, allerdings solltet Ihr es erst kurz vor der Abfahrt ausdrucken – falls Euch doch etwas dazwischenkommt. Denn: Einmal ausgedruckt, ist es nicht mehr stornierbar. Das gilt zumindest für meinen sehr günstigen Tarif (kein Flex-Ticket).

Foto Ticket
So sieht das ausgedruckte Ticket für alleinreisende Frauen im 3-er-Abteil aus: Es enthält den Zusatz „T3 – Dame“ (Foto: Veronika Wengert).

Ein kleines Protokoll meiner Fahrt mit dem Nachtzug nach Rijeka

Lest nun, wie meine Fahrt mit dem Nachtzug von München nach Rijeka verlaufen ist. Ich habe ein paar Eindrücke für Euch dokumentiert – und sicher auch einige Etappen einfach verschlafen, vor lauter herrlichem Ruckeln 😉

22.45 Uhr: München, Hauptbahnhof, Gleis 12. Ein Zug mit sehr vielen Waggons, wartet auf die Reisenden, die sich mit Koffern und Rucksäcken langsam in Bewegung setzen. Die vorderen Waggons am Gleisanfang werden am nächsten Morgen Budapest erreichen. Ein Mann mit Strandmuschel und Flip-Flops läuft vor mir her, er liest das Schild laut vor: Venezia. Das sind die folgenden Waggons, die nach Venedig fahren werden. Einige Reisenden laufen weiter geradeaus und steigen in die Waggons nach Zagreb via Ljubljana. Ich gehe auf dem Bahnsteig ganz nach hinten durch. Der letzte Waggon ist der Schlafwagen nach Rijeka, der vorletzte mit Sitzplätzen ausgestattet, die es mit dem Spartarif schon ab 29 EUR gibt.

22.50 Uhr: Ich finde mein Abteil. Zwei Betten sind gemacht, ich habe das untere reserviert.

Bett im Schlafwagen
So sieht das Abteil im Nachtzug nach Rijeka aus (Foto: Veronika Wengert).

23.12 Uhr: Die Ansage informiert die Reisenden, dass der Zug erst 30 Minuten später losfährt, da er noch auf einen Anschlusszug wartet. Niemand beschwert sich, schließlich ist Urlaub. Ich liebe Direktzüge, ohne Umstieg.

23.20 Uhr: Der kroatische Schaffner sammelt die Tickets ein und informiert die Reisenden auf sehr gutem Deutsch, wann die erste Polizeikontrolle stattfinden wird. Gegen 7.40 Uhr. Im Waggon sind ein paar deutsche Familien mit älteren Kindern, im Nachbarabteil ein Pärchen mit Rucksäcken, das englisch spricht. Der Schaffner ermahnt alle Reisenden, die Tür nachts zu verschließen. Wenn die Kontrolle komme, werde er klopfen, sagt er.

23.46 Uhr: Der Zug setzt sich in Bewegung, nun ist der letzte Waggon der erste, direkt hinter der Lokomotive. Das Fenster hat dunkle Jalousien, die Klimaanlage funktioniert perfekt. Ein Snack steht auch schon bereit: Ein verpackter Schoko-Croissant mit gefühlt 789 Kalorien, eine Flasche Wasser und ein kleines Fruchtsaftgetränk.

23.48 Uhr: Das Licht im Abteil flimmert, geht an und wieder aus.

23.51 Uhr: Ich sitze im Dunkeln, mit Notlicht. Aber wenigstens gibt es zwei Steckdosen, an denen ich mein Laptop und mein Smartphone aufladen kann.

23.52 Uhr: Ich bin überhaupt nicht müde. Draußen unterhalten sich einige Reisende noch, Türen klappern, jeder will noch mal auf die Toilette. Gut, dass es der erste Waggon hinter der Lokomotive ist, so läuft wenigstens niemand durch, um sich noch ein Bier zu besorgen (das es hier ohnehin nicht gibt, aber ich erinnere mich an russische Züge, als irgendwo immer jemand herumstolperte oder gar das Bett im Großraumabteil (ohne Türen!) verfehlt hat – oje, das war kein Spaß. Diese Großraumabteile haben mir die Freude am Nachtzug-Reisen ein wenig genommen, muss ich zugeben…

Abteil im Nachtzug
Abteil im Nachtzug nach Rijeka (Foto: Veronika Wengert).

0.02 Uhr: Das Licht ist wieder an. Jetzt erst finde ich den Hauptschalter. Klar, direkt über der Tür. AUS. Lange drücken ist das Zauberwort. Es ist dunkel, ich will schlafen und zwar am liebsten sofort, denn in Salzburg werden schon die ersten Waggons abgekoppelt.

0.10 Uhr: Es ist mucksmäuschenstill. Nur das Rattern der Räder ist zu hören.

Irgendwann gegen 2 oder 3 Uhr nachts: Der Zug stoppt, quietscht, Abteile werden abgekoppelt. Ich bekomme es kaum mit, zu müde.

Irgendwann gegen 4 Uhr nachts: Schlaftrunkend schaue ich kurz aus dem Fenster. Ein Abstellgleis mit City Shuttle-Zügen. Dann ruckelt der Zug. Vor und zurück und wieder vor, er wird rangiert. Und irgendwann stehen die Waggons nach Venedig, mit denen wir in München losgefahren sind, einfach auf dem Nachbargleis. Villach heißt der Stopp. Auf dem Bahnsteig sitzen einige Rucksackreisende, zwei Frauen in Dirndl laufen umher, eine Familie mit verschlafenen Kindern.

Foto aus Fenster
Die Waggons nach Venedig werden in Villach abgehängt und stehen dann plötzlich auf dem Nebengleis (Foto: Veronika Wengert).

5.59 Uhr: Der Zug stoppt quietschend in Ljubljana. Der Blick aus dem Fenster fällt auf das große Dreiecks-Hochhaus in Bahnhofsnähe. Es ist schon hell draußen. Nicht wie bei meinem letzten Besuch im liebenswerten Ljubljana, wo es noch stockdunkel war gegen 6 Uhr.

 

Kurz nach 7.30 Uhr: Der freundliche kroatische Schaffner weckt mich. „Bald ist Grenzkontrolle“. Es gibt heißes Wasser mit einem Beutel Cappuccinopulver, dazu ein weißes Brötchen mit kroatischer Margarine („Margo“) und der typisch kroatischen „Gemischten Marmelade“, die für mich so schön nostalgisch schmeckt – alles wie früher. Naja, fast.

Foto vom Frühstück
Das Frühstück wird ans rollende Bett gebracht (Foto: Veronika Wengert).

8.25 Uhr: Die Grenzkontrolle im slowenischen Ilirska Bistrica ist durch. Drei freundliche slowenische Grenzbeamte. Keine Spürhunde, keine grimmigen Blicke. Die Slowenen sagen übrigens „meja“ für Grenze, die Kroaten hingegen „granica“ (sprich: granitsa). Bis zur eigentlichen Staatsgrenze dauert es jedoch noch ein wenig.

Bahnhof von Ilirska Bistrica
So sieht der Bahnhof von Ilirska Bistrica in Slowenien aus. Eine alte Lokomotive steht dort auch, wie an den meisten slowenischen Bahnhöfen (Foto: Veronika Wengert)

8.48 Uhr: Vodafone begrüßt mich in Kroatien. Keine Roaming-Kosten, surfen, simsen, telefonieren, alles wie zu Hause möglich, zumindest innerhalb der EU. Ich mag die EU!

8.55 Uhr: Die kroatische Grenzkontrolle in Šapjane ist durch. Die Grenzbeamten werfen nur einen kurzen Blick auf meinen Ausweis. Der englischsprachige Reisende im Nebenabteil will einen Stempel in den Pass. Er brauche keinen, sagt die Grenzbeamtin. „Just for memory“, meint er. Nur zur Erinnerung.

Šapjane
Ein kleines Häuschen steht direkt neben dem Bahnhof von Šapjane – die kroatische Grenzkontrolle steigt hier zu (Foto: Veronika Wengert).

8.59 Uhr: Vorbei an hügeliger grüner Landschaft rauscht der Zug, unter uns taucht die Autobahn auf. Das kroatische Fernsehen meldet via Twitter jetzt schon 21 Kilometer Stau auf der Autobahn in Richtung Split. Jetzt schon! Ich bin erleichtert, dass ich im Zug sitze.

Foto Meer im Hintergrund
Im Hintergrund sieht man schon das Meer (Foto: Veronika Wengert).

Etwa gegen 9.20 Uhr: Opatija-Matulji heißt der Stopp. Wenige Reisende mit Koffern steigen hier aus. Der Halt hat Tradition: Hier stoppte früher die Südbahn ab Wien, mit der Kutsche ging es in den k.u.k.-Ferienort Opatija, nur gut 10 Kilometer westlich von Rijeka – auch einer meiner Lieblingsorte in Kroatien!

Kurz nach 9.30 Uhr: Der Zug erreicht mit nur wenigen Minuten Verspätung Rijeka. Dort warten Vermieter, Freunde und Verwandte auf die Reisenden, die aus dem Zug klettern. Der Schaffner hilft beim Koffer aus dem Zug heben, verabschiedet sich freundlich von jedem einzelnen Gast. Dann ist die Fahrt vorbei.

Bahnhof Rijeka
Endstation: Der Bahnhof von Rijeka ist erreicht (Foto: Veronika Wengert).

9.45 Uhr: Meinen Koffer parke ich für 15 Kuna (ca. 2 EUR) in einem Gepäckfach, das Kleingeld wird problemlos am Ticketschalter gewechselt. Ah ja, Rijeka ist Europäische Kulturhauptstadt 2020 – noch ein Grund, bald wieder herzureisen! Die Luft in Rijeka ist heiß, nur ein laues Lüftchen weht – und ich mache mich auf, die Stadt zu erkunden.

Gepäckfach Bahnhof Rijeka
Gepäckfächer in Rijeka kosten 15 bis 20 Kuna für 24 Stunden, je nach Koffergröße (Foto: Veronika Wengert).

Entschleunigt Reisen – probiert es aus

Noch etwas: Die Zukunft der Nachtzüge ist vermutlich ungewiss. Aber: Nachtzüge sind entschleunigtes Reisen pur. Gerade in Zeiten der Billigflieger-Debatte und allerorts streikendem Flugpersonal wäre das vielleicht eine prima Alternative. Vielleicht konnte ich Euch auch dafür begeistern? Die nächste Reise im Kurswagen nach Rijeka ist auf alle Fälle schon gebucht – dann darf unser Großer, sechs Jahre, auch mit zur Recherche. Das Abenteuer will ich ihm auch ermöglichen, solange es den Nachtzug nach Rijeka noch gibt…

Und die Rückfahrt?

Nachtrag: Von Rijeka ging es im Nachtzug nach München zurück. Der startet in Kroatien um 20.50 Uhr, mein Schlafwagen-Abteil war das letzte, der Zug wirklich überschaubar. Noch vor dem Einschlafen dann die kroatische und slowenische Grenzkontrolle, ein leichtes Ruckeln, süße Träume… doch dann: Uaaa, 4.18 Uhr zeigt der Wecker, ich schaue in grelle Taschenlampen. Wir sind an der deutschen Grenze. Grenzkontrolle. Ein Blick unter mein Bett: Kein blinder Passagier an Bord, Tür zu und weiter geht die Fahrt. Kurz nach 5.45 Uhr kommt duftender Kaffee ans rollende Bett und dann taucht auch schon München-Ost auf einem Schild auf. Gegen 6 Uhr ist die Fahrt im Hauptbahnhof München zu Ende und der nette kleine Zug hat sich über Nacht wundersam vermehrt – überall Traveller mit Koffern, Rucksäcken und viel zu kurzen Hosen, denn die Temperatur ist um über 20 Grad gesunken. Fazit: Die Rückfahrt Rijeka-München ist ebenfalls wirklich entspannt, ein Stündchen länger hätte ich allerdings schon schlafen können. Gute Nacht, Nachtzug, bis zum nächsten Mal.

 

Auf der Geschenkeliste der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle fand sich auch ein Wein aus Kroatien, konkret aus Ilok: Der preisgekrönte Traminer ist am britischen Hof schon so etwas wie ein alter Bekannter. Doch wie kommt der Weißwein aus dem Osten Kroatiens zu diesen Ehren?

Ilok ist ein beschauliches Grenzstädtchen, ganz im Osten von Kroatien. Weiß verputzte Häuser mit Ziegeldächern drängen sich auf sanften Hügeln nebeneinander. Am anderen Ufer der Donau, die hier ihr mächtiges Flussbett ausbreitet, erstreckt sich das serbische Städtchen Bačka Palanka.

Wer nach Ilok reist, kommt wegen der Donau. Und wegen der Weine: Vor allem die weißen Sorten genießen in ganz Kroatien einen guten Ruf. Dazu sollen die fruchtbaren Hänge direkt an der Donau beitragen, denen ein besonderes Mikroklima nachgesagt wird.

Doch nicht nur im eigenen Land kennt man Sorten wie Traminer (Traminac) oder Welschriesling (Graševina) aus Ilok: Der bekannteste Weinproduzent des Städtchens, Iločki podrumi (Weinkeller von Ilok), pflegt – seit nunmehr 65 Jahren – eine ganz besondere Beziehung zum britischen Königshaus. Die Weine von Iločki podrumi sind sogar die einzigen aus Kroatien, die auf der offiziellen Weinkarte der britischen Königsfamilie gelistet werden.

Ein guter Tropfen für das Brautpaar

Frischen Wind bekam die Verbindung zwischen der Weinkellerei und den britischen Royals nun durch die Hochzeit von Prinz Harry und seiner bürgerlichen Verlobten, Meghan Markle. Das Brautpaar, das am 19. Mai geheiratet hat, bekam nämlich ein Weinpräsent aus Ilok. Konkret: Mit einem Traminer Beerenauslese (Traminac izborna berba bobica) Jahrgang 2015, der limitierten Linie Principovac.

Ein vergleichbares Geschenk bekam schon Harrys älterer Bruder, Prinz William bei seiner Hochzeit mit Kate Middleton 2011 aus Ilok überreicht: Einen Traminer Eiswein (Traminac ledena berba) Jahrgang 2007. Dieser Wein erhielt übrigens die meisten Medaillen, die ein kroatischer Wein jemals erhalten hatte. Auf der renommierten Weinmesse Decanter 2016 konnte sich diese Kategorie Prädikatweine, gemeinsam mit dem Jahrgang 2011, gegen gar 17.000 Weine aus aller Welt durchsetzen – und wurde mit der Platinum-Medaille ausgezeichnet.

Nachfolgend ein guter Querschnitt, was es in Ilok alles zu sehen gibt:

Eine lange Geschichte verbindet den Wein aus Ilok mit den Royals

Der goldgelbe Traminer aus Ilok wird umgangssprachlich gelegentlich auch „königlicher Traminer“ genannt, auf Kroatisch „kraljevski traminac“. Das hat einen konkreten Grund: Dieser Weißwein wurde bereits 1953, bei der Krönung von Queen Elizabeth II. ausgeschenkt – und war eine der wenigen Sorten aus dieser Region Europas.

Wie der Wein aus Ilok damals den Weg nach Großbritannien gefunden hatte, ist nicht ganz geklärt. Selbst in den Kellerei Iločki podrumi kennt man nicht alle Auswahlkriterien der britischen Weintester. Es wird spekuliert, dass der Jahrgang maßgeblich dazu beigetragen haben könnte: 1947 sei nämlich das Hochzeitsjahr von Elizabeth und Phillip gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung von Iločki podrumi. Also soll bei der Krönung dieser Jahrgang ausgewählt worden sein, so eine mögliche These.

Eine Flasche des Jahrgang 1947 bekamen schließlich auch Prinz Charles und Herzogin Camilla bei einem offiziellen Besuch vor zwei Jahren in Kroatien überreicht. Überhaupt soll es vom Jahrgang 1947 nur noch 89 Flaschen geben, der in den historischen Alten Weinkellern von Ilok lagert. Die Flaschenweine haben natürlich ihren Preis: Der Wert wird laut der kroatischen Tageszeitung Jutarnji list mit 55.000 Kuna (etwa 7.400 Euro) angegeben – pro Flasche.

 2000 Jahre Weinanbau in Ilok

Neu ist die Weinregion nicht: Bereits vor fast zwei Jahrtausenden wurden Rebstöcke in Syrmien (kroat. Srijem) bestellt, wie die Landschaft um Ilok heißt – zunächst unter illyrischer, später unter römischer Herrschaft. Den Grundstein für die moderne Weinherstellung legte allerdings erst Nikolaus von Ilok (Nikola Iločki): Der Banus ließ 1450 an Stelle der römischen Festung Cuccium ein Schloss mit unterirdischem Weinkeller errichten – was damals ein Novum war.

Entsprechend wird die Jahreszahl 1450 als Grundstein des heutigen Unternehmens angesehen. Das Datum findet sich auch auf Flaschenetiketten von Iločki podrumi.

Die italienische Adelsfamilie Odescalchi, die im 17. Jh. in Ilok das Sagen hatte, trug ebenfalls zur Modernisierung der Weinproduktion bei: Händisch verlesene, reine Sorten, neue Technologien und die Flaschenabfüllung auf dem eigenen Anwesen. Das war damals neu und wird bis heute fortgeführt, wie das Weinetikett von Iločki podrumi informiert. Die Abfüllung des Weins auf dem eigenen Anwesen sollte übrigens Zwischenhändler vermeiden, die den Wein verfälschen könnten, so der ursprüngliche Gedanke.

Die Weinkeller von Ilok waren bis 1945 in Hand der Odescalchis – ehe das Weingut unter Tito im sozialistischen Jugoslawien verstaatlicht wurde.

Früher in staatlicher, heute in privater Hand

Der Sozialismus legte bei der Weinproduktion eher Wert auf Masse, statt auf Klasse: 1970 kamen neue Weinkeller in Ilok hinzu, die zur damaligen Genossenschaft PPK Vupik Vukovar gehörten. Die Kapazität lag bei zehn Millionen Litern pro Jahr.

Der blutige Krieg (1991-95) hinterließ auch in Ilok seine blutige Spur und ein Band der Zerstörung.

Dass die alten Kellerweine bis heute erhalten sind, haben sie engagierten Mitarbeitern zu verdanken: Diese zogen im jüngsten Kroatien-Krieg (1991-95) eine Mauer im Weinkeller hoch. Die Mauer ließ die serbischen Besatzer nicht vermuten, dass sich dahinter ein wertvolles Weinlager befinden könnte, schreibt die kroatische Tageszeitung Jutarnji list. Genau genommen sind es mehr als 8800 Flaschen, die heute noch existieren.

Der Osten von Slawonien, darunter Städtchen wie Ilok und Vukovar, wurde erst 1998 politisch wieder in das kroatische Staatsgebiet eingegliedert. Ab dem Folgejahr wurde die Kellerei Iločki podrumi privatwirtschaftlich betrieben, 2003 ging sie im Zuge der Privatisierung mehrheitlich in die Hand von Juraj Mihaljević über, der den Iločki podrumi bis heute vorsteht.

Heute sind die Iločki podrumi ein mittelständisches Unternehmen mit der Rechtsform einer Aktiengesellschaft (d.d.), heißt es auf der Website. Für die Weinproduktion werden 990 Hektar Weinberge genutzt, davon ist ein Drittel in eigenem Besitz, die übrigen Trauben werden zugekauft. Dieser Ertrag ist ausreichend, um jährlich etwa vier Millionen Liter Wein zu keltern.

Die historischen Alten Weinkeller, Stari podrumi, sind heute – neben der Donau – die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt: Im Restaurant werden üppige Fleischplatten aufgetischt, im dazu gehörigen Hotel Zimmer vermietet. Und das Highlight: Eine Besichtigung jener wertvollen Flaschenweine, die in die Geschichtsbücher eingegangen sind.

Hier ein offizielles Video auf YouTube, das die Weinbauregion Ilok promotet:

Wo gibt es den königlichen Wein aus Ilok?

Wenn Ihr das Hochzeitsgeschenk für Prinz Harry und Meghan Markle auch mal probieren wollt, werdet Ihr in ausgewählten kroatischen Weinhandlungen, in den Weinhandlungen von Iločki podrumi und im Alten Weinkeller in Ilok fündig. Gehobene Restaurants führen die Traminer Beerenauslese 2015 ebenfalls.

Günstigere Sorten, die sich jedoch auch sehen lassen können, gibt es hingegen auch im Supermarkt – etwa den Traminac Principovac Jahrgang 2011, von der nur 10.000 Flaschen gekeltert wurden. Im Gegensatz zu dem „königlichen“ Wein kostet dieser jedoch nur umgerechnet etwa 20 Euro pro Flasche – ein durchaus erschwingliches Vergnügen, um sich einmal (fast) wie ein Royal zu fühlen.

Praktische Informationen zu Ilok

Informationen:

Der Tourismusverband Ilok (Srijem visitor center) hält Broschüren, Karten u.ä. bereit und organisiert Führungen und Weinverkostungen. Es ist im erneuerten barocken Palais Kurija-Brnjaković im Zentrum von Ilok untergebracht. Anschrift: Trg Sv. Ivana Kapistrana 5, Ilok, Tel: +385 32 590 020

Besichtigung der Alten Weinkeller (Stari podrumi) mit Weinprobe, April-Oktober 10-19 Uhr. Voranmeldung erwünscht.

Auf der Website des Tourismusverbandes Ilok gibt es eine Liste mit 17 Weinkellern/Winzern in der näheren Umgebung von Ilok.

Anreise:

Flug nach Osijek (z.B. Direktflug Stuttgart-Osijek mit Eurowings), von dort weiter mit dem Mietwagen (ca. 50 km, 70 Min. Fahrtzeit)

Übernachten:

– Hotel Dunav: direkt am Ufer der Donau, beim Frühstück fällt der Blick aufs Wasser

– Principovac – Landsitz der Familie Odescalchi (Ladanjsko imanje Principovac) von 1864, mit Restaurant (40 Plätze), 6 Zimmern und Golfplatz. Buchung über Iločki podrumi.

– Hotel Stari Podrum: Geräumige Zimmer beim Schloss und Alten Weinkeller

Ausflugsziele in der Umgebung:

Vukovar (35 km), Osijek (70 km), Novi Sad (50 km), Nationalpark Fruška gora/Vojvodina

Events:

Weinlesefest in Ilok (Iločka berba grožđa), Ende August/Anfang September

Internet:

Wer weitere Aktivitäten entlang der Donau plant, sollte unbedingt einen Blick auf die lesenswerte Website danube.travel werfen, die mithilfe Mitteln aus Deutschland und der EU umgesetzt wurde

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(Photo credit Vorschaubild ganz oben: Veronika Wengert)

07Zagi! Der Name des putzigen Stoff-Eichhörnchens mit dem Regenbogenschwanz und der schwarzen Melone ist mir sofort wieder eingefallen. Ich habe es geliebt! Vor kurzem habe ich Zagi beim Ausmisten wieder gefunden. Er ist das Maskottchen der Sommer-Universiade 1987, die in der kroatischen Hauptstadt Zagreb ausgetragen wurde. In diesem Jahr feiert Zagi seinen 30. Geburtstag. Zeit für einen Rückblick!

Eigentlich war das Maskottchen Zagi hellblau, manchmal jedoch auch weiß.
Zagi das Maskottchen der Universiade 1987 (Foto: Veronika Wengert).

Seinem kecken Lächeln konnte sich vermutlich kaum jemand entziehen: Zagi, das niedliche hellblaue Eichhörnchen prangte 1987 auf allen T-Shirts, Tassen und Aschenbechern.

Ich bekam Zagi als weiße Filz-Variante geschenkt und räumte ihm lange einen Ehrenplatz in meinem Regal ein. Auch, als Kroatien längst schon ein eigenes Länderkürzel hatte, staubte Zagi, mit seinem „Y“ für „Yugoslavia“ auf der Brust, in meinem Jugendregal vor sich hin.

Leser wählten das Maskottchen

Als Maskottchen hatten es die Leser der in Zagreb erscheinenden Tageszeitung „Večernji list“ gewählt. Dabei konnte sich das Eichhörnchen gegen einen Raben, einen Bären und andere heimische Waldtiere durchsetzen. Mit der Umsetzung von Zagi wurde Nedeljko Dragić, Jahrgang 1936, beauftragt. Er gilt als einer der kreativsten Köpfe der berühmten Zagreber Zeichentrickschule.

So gut ich mich an Zagi erinnern konnte, so wenig ist mir die Sommer- Universiade in Erinnerung geblieben. Die Ljetna Univerzijada fand im Juli 1987 in Zagreb statt, das stand fest – doch was war damals in Zagreb eigentlich los? Höchste Zeit, das Orakel Google zu befragen!

Tausende von Studenten treffen sich alle zwei Jahre​​​​

Wikipedia kennt freilich die Universiade, die Weltspiele der Studenten. Diese finden alle zwei Jahre statt, immer in einer anderen Stadt, rund um den Globus. Im Sommer 2017 war Taipeh an der Reihe.

Die Zahlen für Zagreb sind beeindruckend: Fast 6.500 Studenten aus 122 Ländern reisten damals an, um gegeneinander anzutreten. Die Jungs in zwölf, die Mädchen in nur zehn Disziplinen, denn Wasser- und Fußball galten als reine Männerdomänen. Die Wettbewerbe wurden in 77 Sportobjekten in Zagreb und Umgebung ausgetragen – die im Vorfeld neu gebaut oder renoviert worden waren.

Bis heute sind die Zagreber stolz auf Ihre Univerzijada

Ja, für die kroatische Hauptstadt war die Universiade ein großes Ereignis – vor allem im Hinblick auf die Infrastruktur: Viele Zagreber erinnern sich noch heute stolz an die Universiade, etwa beim Anblick der Studentenwohnheime „Stjepan Radić“, die unter Studenten nur „Sava“ genannt werden, da der Fluss gleich dahinter fließt. Auch der Schwimmbadkomplex Mladost („Jugend“) gegenüber ist ein Relikt der Universiade von 1987.

Unweit davon erstreckt sich der Jarun, ein See südwestlich der Innenstadt, der damals mit einer zwei Kilometer langen Regattastrecke für Ruderer ausgestattet wurde. Der Jarun gilt seit dieser Zeit als das „Zagreber Meer“ (Zagrebačko more), mit Discos, Cafés und Flaniermeile zum Inlineskaten oder Bummeln. Ein ganzes Stadtviertel entstand damals in der Nähe des Jarun, die Quadratmeterpreise zählen bis heute nicht gerade zu den günstigsten Ecken der Stadt.

Nicht zu vergessen ist die nach dem berühmtesten kroatischen Basketballspieler aller Zeiten, Dražen Petrović, benannte Basketballhalle in der Savska ulica. Bei der Sommer-Universiade 1987 hieß sie noch Cibona, benannt nach dem berühmten Zagreber Basketballverein. Sechs Jahre später, wurde die Halle zu Ehren von Dražen Petrović umbenannt, nachdem dieser bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.

Doch das war nicht alles: Für die Restaurierung von Fassaden im Zentrum von Zagreb stellte die Regierung stolze 1,5 Milliarden Dinar bereit! Das veranlasste die Redaktion von „Danas“, den Bau-Boom in Zagreb als eine „Renaissance der Infrastruktur“ zu betiteln.

Zagi war das Maskottchen der Sommer-Universiade 1987 in Zagreb

Auch die Kulturszene profitierte von der Universiade

Das Kunstmuseum Muzej Mimara in Zagreb wurde ebenfalls pünktlich zur Universiade im Juli 1987 eingeweiht und ist bis heute ein Publikumsmagnet – mit Werken von Rubens, Renoir, Van Dyck, Rembrandt und anderen Künstlern.

Überhaupt war die Universiade 1987 auch ein kulturelles Event: Das Tanz-, Performance- und Theaterfestival EUROKAZ fand damals erstmals statt. Heute gilt das Event der modernen Ausdrucksformen fester Bestandteil der kroatischen Kulturszene.

Bau-Boom trotz Wirtschaftskrise

Die Universiade habe dem kleinen Mann geholfen, die Realität für einige Tage zu vergessen, schrieb „Danas“ weiter. Dazu gehörte auch die Hyperinflation, in die Jugoslawien seit Beginn der 1980er Jahre unaufhaltbar hineingaloppierte: Die Löhne der Arbeiter wurden eingefroren, die Inflation erreichte dreistellige Ziffern, 20.000-Dinar-Scheine wurden gedruckt.

In solch einer unbeständigen Zeit war die Universiade ein echter Glücksfall für Zagreb: In die Stadt flossen nun endlich auch viele Mittel aus dem gesamtjugoslawischen Topf, die in konkrete Bauprojekte investiert wurden.

Zagreb und das Umland hätten von der Universiade eigentlich nur profitiert. Angesichts der angespannten Umstände hätte sich solch eine rege Bauaktivität normalerweise über mehrere Jahrzehnte gezogen, schreibt der Autor Jasenko Zekić 2007 in einem wissenschaftlichen Artikel.

Unentschieden: Gleich viele Medaillen für die DDR und BRD

Am Ende der Universiade 1987 verzeichnete Jugoslawien stolze 19 Medaillen und sicherte sich den sechsten Rang in der Gesamtwertung. Die DDR und die BRD kamen jeweils auf 13 Medaillen, während die USA (70 Medaillen) und die UdSSR (78 Medaillen) die übrigen Teilnehmerländer deutlich abhängten.

Und Zagi? Das pfiffige Eichhörnchen lebt weiter, mit einer kroatischsprachigen Wikipedia-Internetseite – und in meiner Erinnerungskiste.

Habt Ihr auch noch einen Zagi zu Hause? Dann schickt mir doch Eure besten Zagi-Fotos!

Quellen:

https://hr.wikipedia.org/wiki/Ljetna_univerzijada_1987.

https://hr.wikipedia.org/wiki/Zagi

https://hr.wikipedia.org/wiki/Studentsko_naselje_Stjepan_Rad

Jasenko Zekic: „Univerzijada 87 – drugi ilirski preporod“ (God. 39, br. 2, 299-318, 2007), URL: hrcak.srce.hr/file/2964

03Hochprozentiger Schnaps brennt in der Kehle, daher mag ich ihn eigentlich nicht besonders. Dennoch habe ich immer eine Flasche Travarica zu Hause im Regal: Dieses Allheilmittel hilft bei Magenverstimmung, gegen kalte Füße und wenn sich eine Erkältung anbahnt. Eine Bekannte nutzt das Getränk sogar als Fensterputzmittel – und schwört darauf.

Ein grünlicher Klarer, mit dekorativen Wildkräutern in der Flasche – das ist euch bestimmt auch schon einmal auf einem kroatischen Grünmarkt oder im Souvenirgeschäft aufgefallen. Genau das ist die viel gepriesene Travarica, ein hochprozentiger Schnaps, der mit verschiedenen Wildkräutern angesetzt wurde (kroat. Pl. trave = Kräuter).

Travarica lockert sogar Verspannungen​

Die Travarica ist aber nicht nur ein Schnaps, sondern eine Art „Allheilmittel“. Meine Tante hat immer einen kleinen Flachmann in der Handtasche, wenn sie ans Meer fährt und die serpentinenreiche Strecke durch die Berglandschaft Gorski kotar nicht verträgt – natürlich auf dem Beifahrersitz. Die Oma einer Freundin stellt jedes Jahr literweise Travarica her, den sie im kühlen Keller lagert und immer mal wieder probiert, ob er nun endlich so schmeckt, wie er sollte. Natürlich immer nur löffelweise, denn der Travarica hat ganz schön viele Umdrehungen und ist eher Medizin als Genussmittel. Wem Travarica nicht schmeckt, kann sich einfach den Rücken bei Verspannungen damit einreiben!

Eigentlich kann man nichts falsch machen​

Das Gute daran ist, dass es keine falsche oder richtige Herstellung gibt. Diese ist vielmehr sogar sehr einfach. Das Einzige, das man für eine Flasche Travarica braucht, sind Wildkräuter – idealerweise frisch gepflückt, aber es geht auch mit getrockneten Kräuterzweigen. Wer den Aufwand scheut, kann natürlich destillierten Kräuterschnaps im Supermarkt kaufen, dessen Geschmack man jedoch nicht selbst beeinflussen kann.

Die Grundlage muss stimmen​

Zunächst solltet Ihr euch eine Flasche Lozovaća, kurz: Loza, besorgen. Das ist der in Kroatien weit verbreitete Grappa, also Traubenbrand, der recht neutral schmeckt. Fragt einfach Euren Vermieter in der Ferienwohnung, auf dem Markt oder notfalls im Supermarkt nach.

Einmal quer durch den Kräutergarten​

Je nach Heilwirkung oder Saison könnt Ihr verschiedene Kräuterzweige verwenden: Salbei (kadulja; in Kroatien gibt es etwa 15 verschiedene Arten!) regt die Verdauung an und stärkt den Magen, Minze (menta) oder Wermut (pelin) beruhigen den Magen ebenfalls, während den ätherischen Ölen von Thymian (majčina dušica) entzündungshemmende Wirkung nachgesagt wird.

Natürlich passen auch Zitronenblätter (listovi limuna), Lorbeer (lovor), Origano (origano), Majoran (mažuran), wilder Fenchel (divlji komorač) und andere Kräuter hinein – je nach Geschmack und je nachdem, was gerade zur Hand ist.

Hier ist das Rezept einer Marktfrau, an deren Stand der ich meine letzte Flasche Travarica gekauft habe. Dieser ist übrigens mit wildem Fenchel versetzt, wie ihr auf dem Foto erkennen könnt, und hat dadurch einen intensiven Anisgeschmack und eine grünliche Farbe:

REZEPT FÜR TRAVARICA​

Zutaten:

– 1 Flasche Lozovaća (Grappa, Traubenbrand, 38% Vol.)

– Nach Belieben: Mediterrane Kräuter und Wildkräuter (z.B. Origano, Lavendel, Minze, Wachholder, Rosmarin).

Zubereitung:

Den Schnaps in eine große Karaffe mit Deckel einfüllen und die Kräuterzweige hinzufügen. Das Ganze sollte etwa einen Monat lang verschlossen an einem kühlen und dunklen Ort gelagert werden, etwa in einem Natursteinkeller. Zwischendurch müsst Ihr die Travarica immer wieder probieren: Ist eine Kräuterart sehr dominant, könnt Ihr diese auch vorzeitig herausnehmen. Das Ganze wird schließlich, mitsamt dekorativer Kräuterstängel, in durchsichtige Flaschen umgefüllt.

Traditionell kommt die Travarica in Kroatien vor oder nach dem Essen auf den Tisch. Getrunken wird sie aus kleinen Schnapsgläsern, natürlich mäßig – denn sie gilt schließlich als eine Art „Allheilmittel“ für Magen, Rücken, Fenster und Co.

Živjeli! Prost!

Dieses Rezept für geröstete rote Spitzpaprika stammt von meiner Mama. Ich muss zugeben, dass sie die traditionelle Zubereitung ein wenig abgewandelt hat, was jedoch reichlich Zeit spart. Geröstete Paprika, auf Kroatisch „Pečena paprika“ ist in ganz Ex-Jugoslawien beliebt, vor allem jedoch im Süden, etwa in Mazedonien – wo die Paprika prächtig wächst.

Längst schon gibt es geröstete oder gebratene Paprika, mit reichlich Essig oder Öl eingemacht, im Glas zu kaufen. Doch frisch zubereitet schmeckt Pečena paprika natürlich weitaus besser. Vor allem, wenn die Paprikaschoten aus dem eigenen Garten stammen!

Hier also das Blitz-Rezept für köstliche Pečena paprika:

Zutaten:

  • 0,5 kg rote (Bio-)Spitzpaprika
  • 5 Knoblauchzehen
  • 4 EL Sonnenblumenöl
  • 1 EL Essig
  • 1-2 EL Wasser
  • 1 Prise Salz

Zubereitung:

  1. Die Spitzpaprika gut waschen, trocknen, die Kerne entfernen und anschließend der Länge nach Vierteln. Die Haut muss nicht abgezogen werden, die Paprika schmeckt auch mit ihr sehr gut.
  2. Nun die Knoblauchzehen schälen und in dünne Scheiben schneiden.
  3. Das Öl in einer großen Pfanne erhitzen, die Paprikastreifen zugeben und unter mehrmaligem Wenden etwa 5 Min. von beiden Seiten anbraten. Je nach Größe der Paprikastücke kann es auch ein wenig länger dauern. Dabei gilt: Die Paprika sollte weder zu knackig, noch zu weich sein.
  4. Dann die Pfanne von der Herdplatte nehmen, Wasser, Essig und die Knoblauchscheiben zur Paprika hinzufügen und das Ganze nochmals kurz andünsten – vielleicht 5 Minuten. Zum Schluss noch ein wenig Salzen.
  5. Die Pečena paprika solltet Ihr vor dem Servieren unbedingt abkühlen lassen. Die geröstete Paprika kann entweder als Antipasti-Vorspeise serviert werden oder als Beilage zu Fleisch. Sehr gut passt Weißbrot dazu.

Ideal zum sofort genießen

Die Paprika-Variante nach Art meiner Mama ist zum sofortigen Verzehr bestimmt. Um die Paprika für den Winter aufzuheben, müsste man sie einwecken und anders zubereiten. Aber keine Sorge, die Paprika schmeckt so lecker, dass meist am nächsten Tag nichts davon mehr übrig ist. Stellt sie dennoch über Nacht in den Kühlschrank.

Hat Euch das Blitz-Rezept meiner Mama gefallen? Ich mag die Blitz-Variante, zudem ist die geröstete Paprika nicht allzu ölig und lässt sich in kleinen Portionen zubereiten, ohne dafür den Grill oder Backofen anwerfen zu müssen.

Das ist für mich eine ideale Sommer-Vorspeise oder Beilage, die mich an den Süden erinnert.

Kroatien gilt als Land der 1000 Inseln. Wer den jungen Adria-Staat so blumig umschreibt, liegt zumindest nicht falsch, denn auf alle Fälle gibt es dort mehr als 1000 Inseln. Wie viele es jedoch genau sind – darüber ist man sich nicht immer einig.

Es klingt fast ein wenig unglaublich: Lange Zeit hieß es, Kroatien habe 1.185 Inseln. Dann wurde 2003 nochmals nachgezählt – und plötzlich waren es 1.246, kurz darauf jedoch nur noch 1.244. Bekanntlich entstehen (oder verschwinden) Inseln ja nicht über Nacht. Was war also passiert im Land der 1000 Inseln?

Zwei Inseln sind einfach verschwunden

Der Grund für das Zahlenchaos liegt in der Kommunikation: Die für Kartografie zuständige Abteilung des Kroatischen Hydrografischen Instituts hatte 1.246 Inseln, Eilande, Riffe und Felsklippen verzeichnet. Diese Zahl habe man dem für Tourismus zuständigen Ministerium weitergeleitet, sagten die Zuständigen gegenüber der Tageszeitung „Večernji list“. Das war im Jahr 2010 und ist also schon eine Weile her. Damals wurde die letzte öffentliche Debatte über die Anzahl der Inseln in Kroatien geführt.

Land der 1000 Inseln? Die genaue Zahl ist bis heute widersprüchlich

Im Ministerium kursierte zu dieser Zeit jedoch schon eine ganz andere Zahl: 1.244 Inseln gäbe es in Kroatien. Diese Zahl habe man vom Kroatischen Hydrografischen Institut bekommen, so die Aussage. Die Zeitung „Večernji list“ folgerte daraus: „Irgendwo in diesem Kommunikationskanal müssen zwei Inseln verschwunden sein!“.

Wie wäre es mit nachzählen?

Die Zeitung hakte nach, warum man nicht einfach nachzähle? Für das tatsächliche Ausmessen der kroatischen Inselwelt, also an Land, fehle es dem Institut jedoch an Mitteln und Mitarbeitern, hieß es damals. Einzig aufgrund der Luftaufnahmen alle Inseln exakt zu bestimmen, sei nicht gerade einfach.

Nun könnte man meinen, das Zahlenchaos im Land der 1000 Inseln sei Schnee von gestern. Ein Klick auf die Website der Kroatischen Zentrale für Tourismus zeigte anno 2017, dass Kroatien 1.244 Inseln hat. Diese Zahl taucht auch im alljährlichen Tourismusbericht „Turizam u brojkama 2016“ (dt. „Tourismus in Zahlen, 2016″‚) des Ministeriums auf, das sich allerdings mit einem Sternchen *) auf das Kroatische Hydrografische Institut als Quelle beruft.

Ein Bewerbungsspot sorgt für Spott

Also scheint ja alles klar zu sein!? Keinesfalls! Ein Klick auf die kroatische Wikipedia-Seite kurbelt das Zahlenwirrwarr erneut an: 1.246 Inseln gibt derzeit es dort. Und in einigen deutschsprachigen Reiseführern und auf Webseiten hält sich die Zahl 1.185 bis heute hartnäckig….Dem Ganzen setzt allerdings ein Spot der kroatischen Regierung ein Sahnehäubchen auf, der im Juli 2017 vorgestellt wurde – also 14 Jahre nachdem die offizielle Zahl 1.185 korrigiert wurde.

Mit dem Spot hat sich Kroatien offiziell als Sitz der EU-Arzneimittelagentur beworben, die derzeit noch in London ansässig ist und infolge des Brexit eine neue Heimat sucht. Die Bewerbung wurde jedoch buchstäblich in letzter Sekunde zurückgezogen.

Es fällt euch nun bestimmt nicht schwer, zu erraten, welche Zahl im Spot vor wunderschöner blauer Meereskulisse auftaucht? Richtig! „1.185 (Islands)“…Der 1.185-Inseln-Werbespot ist übrigens auf der Webseite von „Hrvatska danas“ (Kroatien heute) abrufbar.

Noch ein wenig Erbsenzählerei zum Schluß

Um das Wirrwarr noch abzurunden: Wenn man es ganz genau nimmt, ist Kroatien eigentlich überhaupt nicht das Land der 1000 Inseln – denn eigentlich zählt nur jedes Fleckchen Land im Meer, das größer als 1 Quadratkilometer ist, als Insel. Was kleiner ist, wird Eiland genannt, muss jedoch mindestens 0,1 Quadratkilometer groß sein. Was flächenmäßig darunter liegt, wird Riff oder Felsklippe genannt (unter 0,1 Quadratkilometer).

Also hat Kroatien dem offiziellen Tourismusbericht zufolge 602 Inseln und Inselchen sowie 642 Riffe und Felsklippen. Wie viele davon ständig bewohnt sind – darüber scheiden sich ebenfalls die Geister. „Um die 50 etwa“, so eine aktuelle Zahl – die allerdings auch mal schwanken kann.

Hört’s euch an unter Land der 1000 Inseln

Den besten frisch aufgebrühten Kaffee gibt es bei meiner Tante in Zagreb. Tiefschwarz, zuckersüß, mit Bodensatz und in winzigen Mokkatassen serviert – so kommt die „kava“in Kroatien daher. Gekocht wird der Kaffee auf türkische Art im Stielkännchen, der džezva. Probiert es im Kroatien-Urlaub doch auch einmal aus!

Dieser Duft! Würzig, aromatisch – so muss Kaffee riechen! Da kann unser Vollautomat nicht mithalten, das stand schon nach der ersten Tasse fest. Der Automat zaubert zwar auf Knopfdruck wunderschönen Milchschaum, aber der Espresso ist nur mit viel Zucker genießbar. Und den Kaffeesatz, aus dem sich viele phantasievolle Figuren interpretieren lassen, sucht man vergeblich. Wo bleibt hier bitteschön das Ritual?

Da mache ich mir doch lieber öfter mal ein Tässchen Türkischen Kaffee, eine Turska Kava, auf der Herdplatte. Das ist übrigens eine gute Alternative, wenn Ihr eine Ferienwohnung in Kroatien gemietet habt, in der es keine Kaffeemaschine gibt. Oder, wenn Ihr mit dem Wohnmobil an der Adria unterwegs seid!

Sehr fein gemahlenes Kaffeepulver muss sein

„Es kommt zunächst einmal auf die Qualität des Kaffees an“, sagt meine Tante aus Zagreb. Die Sorte sollte natürlich hochwertig sein: Gerne 100% Arabica, am besten frisch und – ganz wichtig – sehr fein gemahlen. Als ich klein war, röstete meine Tante die ganzen, grünen Kaffeebohnen noch selbst auf dem Backblech und jagte sie durch die elektrische Kaffeemühle.

Heute nimmt sie die vakuumverpackte Variante des kroatischen Kaffeerösters Franck – um an dieser Stelle ein wenig Schleichwerbung zu betreiben. Ich mag nach wie vor, die vor allem in Bosnien und Herzegowina weit verbreitete gemahlene Sorte „Minas kava“, die man auch in Wien oder München bei jedem besseren Orient- oder Balkan-Gemüsehändler an der Ecke bekommt. Vielleicht mag ich den Kaffee auch nur aus Nostalgiegründen, denn die hübsche Dame auf der Kaffeedose scheint seit Jahrzehnten nicht gealtert. Irgendwie sah schon so aus, als ich noch klein war.

Mokka

Zur Mokka-Zubereitung legt Ihr euch nun ein Stielkännchen bereit, eine džezva (gesprochen: Dscheswa, von Türk. cezve), die es in jedem Haushaltswarengeschäft oder auf einem kroatischen Markt für wenige Euro zu kaufen gibt. In Kroatien sind emaillierte Stielkännchen weit verbreitet. Meines habe ich im Supermarkt besorgt, ebenso wie ein weiteres Single-Kännchen aus Aluminium.

Ich habe allerdings noch zwei Kupferkännchen, eines davon stammt von einem Straßenhändler aus Sarajevo, eines aus Mostar. In Bosnien und Herzegowina bekommt man den nach türkischer Art aufgebrühten Mokka übrigens auch in vielen Cafés – im Gegensatz zu Kroatien, wo diese Art der Zubereitung weitgehend auf Zuhause beschränkt ist. Im Nachbarland Kroatiens werden die winzigen Tässchen übrigens Fildžan oder Findžan genannt.

Natürlich gibt es vermutlich so viele Arten Mokka, wie es KöchInnen gibt. Nachfolgend findet Ihr das Rezept meiner Tante, das ich auch übernommen habe:

Rezept Türkischer Mokka (Turska kava) für zwei Personen:

  1. Etwa 200 ml Wasser in ein Stielkännchen geben und aufkochen.
  2. Das Stielkännchen mit dem kochenden Wasser von der Herdplatte nehmen und 2 Teelöffel gemahlenes Kaffeepulver einrühren.
  3. Das Gefäß erneut auf die Herdplatte stellen und unter ständigem Rühren aufkochen, bis Schaum aufsteigt. Der Kaffee läuft gerne über, lasst das Kännchen daher nicht aus den Augen!
  4. Manche KöchInnen schwören darauf, dass der Kaffee dreimal aufkochen muss: Lasst den Kaffee daher wieder aufschäumen, nehmt das Kännchen von der Herdplatte und wiederholt das ganze drei Mal.
  5. Zucker könnt Ihr nach Belieben zufügen – für diese Menge Wasser und Kaffee genügen etwa 2 Teelöffel Zucker.
  6. Wichtig! Nach dem Eingießen in die Espressotassen sollte der Mokka unbedingt noch zwei bis drei Minuten stehen, damit sich der Kaffeesatz legt.Während in Bosnien ein Stück Lokum dazu gereicht wird, gibt es bei meiner Tante – ganz nostalgisch – Napolitanke (Neapolitaner Waffeln), Teegebäck (Čajno pecivo) oder selbstgebackenen Kuchen dazu.

Kaffeesatz lesen ist ein altes Ritual​

Wenn wir viel Zeit haben, drehen wir die leere Mokkatasse um, damit der Bodensatz auf einen Unterteller läuft. Das kann schon mal eine halbe Stunde dauern, bis der Satz aus der Tasse rinnt und vollständig trocknet. Nun lassen sich prima Figuren, Formen und sogar Lebensentwürfe hineininterpretieren – da kommt schon mal ein stolzer Reiter auf einem Pferd entlang geritten. Das hat mir zumindest mal eine Gatalica, also „Kaffeesatz-Wahrsagerin“, an der kroatischen Küste vorhergesagt.

Einer Bekannten, die bei diesem Ritual ebenfalls dabei war, hatte sie einen „Mann in Weiß“ prophezeit. Als ich sie im Folgejahr getroffen habe, feierte sie ihre Hochzeit mit einem Chemiker, der bei der Arbeit übrigens weiße Kittel trägt! Ob das Zufall oder Vorhersehung war?

Übrigens: Mokka wird nicht nur auf der Balkan-Halbinsel, sondern in der Türkei, im Nahen Osten, in Nordafrika und im Kaukasus auf diese Art zubereitet. Aufgrund seiner langen Tradition hat die UNESCO die Zubereitung von Türkischem Mokka 2013 in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen!